„Die große Einfachheit der Form ist etwas Wunderbares …“ – diesen Gedanken notierte Paula Modersohn-Becker 1903 in ihrem Tagebuch in Paris.
Unter diesem Leitmotiv treten heute sieben Bildhauerinnen in einen inspirierenden Dialog mit ihrem Werk. Sie greifen die künstlerische Suche Modersohn-Beckers auf und setzen sich mit ihrem ästhetischen und geistigen Erbe auseinander.
Gleichzeitig erinnert die Ausstellung daran, welche Rolle Modersohn-Becker als Frau und Künstlerin in einer von Männern geprägten Kunstwelt spielte. Als eine der ersten Frauen, die sich im Kunstbetrieb des frühen 20. Jahrhunderts behaupteten, gilt sie bis heute als Pionierin der Moderne. Ihre Worte zur „Einfachheit der Form“ waren damals sowohl Bekenntnis als auch Herausforderung – ein Aufruf, das Wesentliche sichtbar zu machen, das Unverstellte zu zeigen und dem Menschlichen wie dem Naturhaften in klaren, eindringlichen Formen Ausdruck zu verleihen.
Die Ausstellung führt diesen Gedanken weiter. Die ausgewählten Bildhauerinnen reagieren mit ihren Arbeiten auf Modersohn-Beckers Streben nach Reduktion, Klarheit und innerer Wahrheit. So entsteht ein spannender Dialog zwischen Vergangenheit und Gegenwart, zwischen künstlerischer Vision und zeitgenössischer Interpretation.
Mit dieser Präsentation würdigt die Gemeinde Worpswede nicht nur eine der bedeutendsten Künstlerinnen des Ortes, sondern setzt auch ein Zeichen für die Präsenz und Sichtbarkeit von Bildhauerinnen in der heutigen Kunstlandschaft.
Die Ausstellung in der Galerie Altes Rathaus Worpswede stimmt auf die 5. Ausstellung zeitgenössischer Kunst auf der Bergstraße ein, die die Arbeitsgruppe „Skulpturen“ gemeinsam mit der Gemeinde Worpswede im Projekt „Kunst im öffentlichen Raum“ seit 2021 realisiert.
„Die Einfachheit der Form — Bildhauerinnen im Dialog“ wird ab 1. April 2026 auf der Bergstraße in Worpswede für ein Jahr zu sehen sein.
Teilnehmende Bildhauerinnen:
Martina Benz, Bremen
Sarah Hillebrecht, Bremen
Susanne Kraißer, Bad Belzig
Silke Rehberg, Münster
Ilka Raupach, Schwielowsee/Caputh
Tina Schwichtenberg, Kiel/Berlin
Stefanie Supplieth, Bremen
